Bericht Zum 5. Mal war Bad Liebenstein Gastgeber des Bundesfilmfestivals Dokumentarfilm. In familiärer Atmosphäre flimmerten vom 13. bis 15. Mai 2011 im ehrwürdigen 200-jährigen Kurtheater des Staatlichen Heilbades 55 Dokus über die Leinwand. Zu erleben waren interessante Begegnungen mit Menschen und ihren Geschichten, Porträts, Herstellungs- und Reisedokus. Die Themenpalette umfasste Soziales, Historisches, Kunst, Handwerk - vom Entstehen einer Farblithografie über den Blick hinter die Arbeit eines Bestatters bis zur Faszination menschlicher Hände. Klangvoll wurde die DOKU eröffnet: das Bad Liebensteiner Doppelquartett sang aus vollen Kehlen das Rennsteiglied. Im abendlichen Glanz diskutierte die Jury, geleitet von Lutz Schulze (BW), am ersten Abend im Kulturhotel Kaiserhof mit den Autoren. Die Juroren – Ute Krämer-Hierl (BY), Rainer Hässelbarth (BB), Jürgen Richarz (NRW), Dr. Klaus Frank (HE) und Doreen Schweikowski (THÜ), die als Jüngste in spritziger Frische die Meinungsbildung belebte - besprachen alle Filme engagiert kritisch, auch mal kontrovers. Letztendlich meisterte die Jury den 800-minütigen Film-Marathon mit Bravour. Die neue einfache Stimmenmehrheit erzeugte eine Flut an Medaillen: 31x Bronze, 15x Silber (in qualifizierter Mehrheit 12x Edelmetall weniger). Zwei außergewöhnliche Filme wurden mit Gold ausgezeichnet: „Ateliergespräche“ von Claus Krüger (Berlin), dessen Film durch den ironisch-intelligenten Dialog zwischen einer Bildhauerin und SPD-Urgestein Egon Bahr bestach, und “Das Staatsverbrechen“ von Peter Gallasch und VIDEOaktiv JENA - ein zum Nachdenken anregendes Stück politische Zeitgeschichte der DDR gegen das Vergessen. Baldur Haase reflektiert als Protagonist, wie er ins Visier der Stasi geraten war. Ein Buch in einem Westpaket sollte in den 50er Jahren sein Leben grundlegend verändern. „Filmisch sehr dicht, persönlich, stark berührend und sehr authentisch“ urteilte die Jury. Für die DAFF auserwählt wurden auch die Silber-Filme „Ein etwas anderer Typ“ von Hubert Steppi (München), das Porträt eines sympathischen Eisenbahners aus Leidenschaft, und „Für alle ein Gewinn“ von Dr. Cord v. Restorff (Karlsruhe), eine bedrückende, aufrüttelnde Doku über den Einsatz bei „Ärzte für die dritte Welt“ auf den Philippinen, die im Kopf bleibt. Ein guter Dokumentarfilm braucht berührende Themen, packende Bilder, gute Erzähler und eine ansprechende Komposition der Geschichte. Während z.B. facettenreiche Montagekunst bei „Musik fürs Leben“ von Robert Becker oder stringente Anschaulichkeit bei „Wie in alten Zeiten“ von Werner Henne gewürdigt wurden, mussten die Juroren auch Kritisches anmerken, was dem erwarteten Qualitätslevel auf Bundesebene eigentlich widerspricht: langweilig, zu brav, beliebig, schludrige Interviews, pausenlose Kommentierung, unnötige Längen. Weshalb wird in Klubs und Regionen nicht stärker an Filmen gefeilt? Freilich muss auch mit konstruktiver Kritik umgegangen werden. Debattierstoff gab es zur DOKU genug: Erzählstruktur, Titelwahl, Einsatz von Fremdmaterial. Um Projektion und Technik in gewohnter Qualität sicherzustellen, ist in letzter Minute der FILMthuer e.V. Jena eingesprungen. Uwe Germar und Winfried Bellmann sorgten für reibungslose Wiedergabe auch in HDV (sogar eine Blue-ray Disc konnte zum Laufen gebracht werden), Musikservice Ziegler für guten Ton. Jürgen Wisner, der als 1. Vorsitzende des Landesverbandes organisatorisch alle Fäden zusammenhielt, hatte eigens für die DOKU einen hochwertigen HDV-Beamer angeschafft. Unterstützt wurde das sehr harmonisch verlaufende Bundesfilmfestival von der Thüringer Staatskanzlei, Wartburgkreis, Stadtverwaltung und örtlicher Sponsoren. In den Pausen konnte jeder die Thüringer Rostbratwurst genießen. Die DOKU hätte freilich mehr Publikum verdient gehabt. An der Öffentlichkeitsarbeit lag es nicht. Presse, Funk und MDR-Fernsehen (Beitrag über den Südthüringer Filmemacher Michael Jahn und seinen Film „Kopfwende“) hatten auf das Festival eingestimmt. Die Autoren waren begeistert vom wunderbaren Ambiente, fühlten sich wohl und nutzten das Wochenende, auch die reizvolle Umgebung mit der berühmten Wartburg bei Eisenach zu erkunden. H.-W. Kreidner |