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Bericht der DOKU.2010

 

 

Bundesfilmfestival DOKU in Bad Liebenstein

 

Bad Liebenstein war zum vierten Mal Gastgeber des BDFA Bundesfilmfestivals Dokumentarfilm, anfangs im Wechsel mit Jena, seit 2005 in Thüringen ausgerichtet.

Vom 23. bis 25. April wetteiferten 44 Filme bei der DOKU.2010 im Kurtheater des Staatlichen Heilbades um Medaillen, in Anwesenheit leider zu weniger Autoren. Zu erleben waren interessante Begegnungen mit Menschen und ihren Geschichten, Porträts und Zeitgeschichte. Nach dem Spitzenjahr 2008, als 64 Filme zu bewältigen waren, pegelte sich die Zahl der Filme wieder auf eine passable Größe ein. Zwölf Stunden Projektionszeit war gut zu verkraften. Das Programm brachte einen bunten Themen-Mix von Apfel bis Zirkus: Glockengießen, Uhren, Baumwolle, Gospel, Schiffsmodellbau, Müllentsorgung. Erwartungsgemäß im Blickpunkt: Historisches wie Zeitgeschichtliches mit persönlichen Reflexionen. Nahezu die Hälfte der Filme waren Porträts im engen und weiteren Sinn, auch mit sozialen Themen, Lebensphilosophie. Herstellungsfilme sind stark zurückgegangen, qualitativ aber besser geworden. Unter kompetenter Leitung von Peter Gallasch (Jena) filterten die engagierten Juroren Christine Wilkerling (Hanau), Bernhard Zimmermann (Düsseldorf), Burghard Rudolph (Pleidelsheim), Thorald Schulze-Kaschel (Verden) und Claudia Telschow (Jena) die Besten heraus. Neben 26mal Bronze und 7mal Silber vergab die Jury zwei Gold-Medaillen: an den Wuppertaler Film- und Video-Klub für „Matthias Schlubeck – ein Porträt“ und Holger Hendricks (Düsseldorf) für „Rückkehr nach Alcatraz“, der technisch meisterhaft und fantasievoll die fiktive Geschichte der spektakulären Flucht eines Schwerkriminellen aus dem berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis in der Bucht vor San Francisco spannend erzählt.

 

 
Verdient mit Edelmetall ausgezeichnet wurde auch das sympathisch-lebensfrohe Porträt eines Panflötisten und Siegers der Paralympics im Schwimmen, dem von Geburt an beide Arme fehlen. Beeindruckend die einfühlsame Selbstverständlichkeit, mit der Behinderung umzugehen, „ein bärenstarker Film“, urteilte die Jury. Silber gewannen Hilde & Werner Eichhorn (in die Kindheit versetzende episodenhafte „Bilder der Erinnerung“), Claus Krüger (lebendiges Porträt einer 80-jährigen Bildhauerin), Hiltrud Puff („Sag’ mir wo die Blumen sind“ sucht nach Spuren Vermisster auf Schlachtfeldern nahe Stettin), Peter Bech (Langzeitdoku berührender Lebenswege junger Menschen), Gisela & Dr. Walter Baust (Musikfilm über Geschichte, Klang und Interpreten des Bandoneons), Ev. Jugend Ohrdruf-Gräfenhain (emotional bedrückende Spurensuche erinnert an ein „KZ-Außenkommando“) und ein Schülerteam des Humboldtgymnasiums Weimar („Ganz andere Zeiten“), der zu den DAFF-Auserwählten zählt. Der Film beleuchtet Demokratie bezüglich Weimarer Verfassung und Grundgesetz auf unkonventionelle Art in einer Mischung aus Spielszenen und Videoclip. Zu den DAFF gehen auch die Bronzegewinner: „Zwei Grenzer“ von Michael Jahn (Geschichte ehemals verfeindeter Grenzer am Eisernen Vorhang über ihr Leben an der deutsch-deutschen Grenze) und „Deja Vu“ von Martin Kochloefl (persönliche Reflexionen am Schauplatz des Kennedy-Attentats in Dallas).
Hoffnungsvoll stimmt, dass die Thüringer Autoren mit ihrem Erfolg die bisher wohl jüngsten Dokufilmer waren. „Ein guter, starker Jahrgang“ konstatierte die Juroren zum Abschluss. Freilich hätten die Filme mehr Publikum verdient gehabt. Zur Auflockerung ernster Themen trug auch das herzerfrischende Feuilleton mit launischen Betrachtungen von Helga & Alfred Halfmann rund um den Apfel bei. Einer ganzen Reihe bemerkenswerter Filme standen aber auch viele   durchschnittliche gegenüber. Die angemessen konstruktive Kritik der Jury legte wiederholt den Finger in die Wunde: fehlende Struktur, Schwächen der Dramaturgie, überflüssiger Kommentar (zu häufig wird Gesehenes beschrieben und nicht der Kraft der Bilder vertraut). Das familiäre Rahmenprogramm ermöglichte einen Abend unter Filmfreunden im Kaisersaal des Hotels Kaiserhof und den Besuch des neuen Kurhauses. Unterstützt wurde die DOKU von der Thüringer Staatskanzlei, dem Wartburgkreis, Wartburg Sparkasse, Stadt und örtlichen Sponsoren. Dank allen, die mit Engagement zum Gelingen des Bundesfilmfestivals beitrugen, allen voran Jürgen Wisner, 1. Vorsitzender des Landesverbandes, Petra Estel und VIDEOaktiv Jena mit Joachim Stelzner und Helga Steiner für die technische Sicherstellung der Projektion.
 
Webmaster Uwe Germar gelang es, zeitgleich der Abstimmung die Ergebnisse und erste Fotos ins Internet zu stellen. Wechselnde Austragungsorte gibt es künftig nicht mehr. Heimstatt der DOKU bleibt Bad Liebenstein. Der kleine Kurort etabliert sich als ständiger Festspielort. Das Staatliche Heilbad bietet für Bundesfilmfestivals ein schönes Ambiente und das historische Kurtheater einen würdigen Rahmen - in der Mitte Deutschlands an der Sonnenseite des Thüringer Waldes.

 

Hans-Werner Kreidner